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Von "Begeisterten" und "Wohnungsteilenden"

aktualisiert am 3.9.2022

Eine Frau hat drei Männern den Mund zugeklebt Bild von Pexels (Pixabay)

Was könnten "Begeisterte" und "Wohnungsteilende" sein? Vermutlich wissen über 90 % Ihrer Mitmenschen auch nichts mit diesen Gender-Wörtern anzufangen. Und es stellt sich die berechtigte Frage, ob die restlichen 10 % diese Begriffe, falls diese ihnen tatsächlich geläufig sind, in ihrer Alltagssprache verwenden. Vermutlich nicht. Denn eigentlich ist die menschliche Sprache "erfunden" worden, um sich miteinander verständlich auszutauschen. Alles andere ist kontraproduktiv.

So gendert der öffentlich-rechtliche "Bildungssender" WDR. In einem Beitrag der "Lokalzeit" hieß es wörtlich: "Bei mehr als 8.000 Menschen wurde wohl Kochsalz gespritzt. Und laut Polizei könnte die Krankenschwester*in Impfgegnerin (hier fehlt das *) sein." Das wurde selbst von Genderisten als Versprecher entschuldigt. War es aber mitnichten, denn in einer weiteren WDR-Sendung wurde gleich zweimal über eine "Intensivkrankenschwester*in" berichtet. Warum der Begriff Krankenschwester überhaupt gegendert wird, wollen wir nicht erörtern. Mit Logik hat das auf jeden Fall nichts zu tun.

Am 10.2.2021 forderte Carolina Schwarz in der Tageszeitung taz: "Debatte ums 'Gendern': Schluss jetzt!"

"Die Debatte ums Gendern ist nervtötend – und auch gefährlich. Wichtige Themen, wie Gewalt gegen FLINT-Personen und fehlende Schutzräume für Betroffene oder Forderungen wie die Abschaffung des Ehegattensplittings, um Altersarmut von Frauen zu bekämpfen, verlieren im Kampf um den Raum, den sich reaktionäre Fortschrittsverweigerer mit ihrem drölfzigsten Text zum Gendern einfach nehmen."

Sehr geehrte Frau Schwarz, "reaktionäre Fortschrittsverweigerer" sind natürlich immer nur männlich, daher unterschlagen Sie weibliche "reaktionäre Fortschrittsverweigererinnen". Das ist geschlechtsneutrale Anwendung nach Gutsfrauenart! Dann noch für uns "Normalos": "FLINT" ist eine Abkürzung für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans Personen. Es gibt auch noch FLINTA-Personen, wobei das A für agender ("ungeschlechtlich/geschlechtslos") steht. Egal, interessiert eh kaum einen Menschen!

Aber jetzt noch einmal zur Forderung von Frau Schwarz. Erst drängen die taz und und ihre Redakteurin der Menschheit eine Gender-Debatte auf, die nun wirklich nervtötend ist. Und nachdem die Diskussion angenommen wurde, ist es dann auch wieder nicht recht, weil die Buhrufe den Beifall übertönen. Das wird zwar allgemein als demokratisch bezeichnet. Interessiert aber die taz und Frau Schwarz nicht. Sie selbst erhöhen sich zu fortschrittlichen Menschen, alle anderen sind natürlich Reaktionäre. Dazu gehören dann wohl auch die eigenen Leserbriefschreiber, die auch ohne Genderei gut klarkommen.

Seit Anfang 2021 werden im Oline-Duden über 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen aktualisiert und neu aufgenommen, um genderneutaler zu sein. Arzt und Ärztin haben nun getrennte Einträge. Was da noch plausibel erscheinen mag, wird aber bei anderen Bezeichnungen zur Willkür. So stehen jetzt zum Beispiel der Bäcker und die Bäckerin, der Richter und die Richterin, der Mieter und die Mieterin sowie der Kunde und die Kundin im digitalen Duden.

Ganz davon abgesehen, dass wir uns bei einer Personen- und Berufsbezeichnung bildlich erst mal keine primären oder sekundären Geschlechtsmerkmale vorstelle, so tauchen sofort wichtige Fragen auf. Sind in der Bäckerinnung nur noch Männer organisiert? Nimmt dann ein Mieterverein nur noch männliche Mieter auf und die Frauen gründen ihren eigenen. Und wer darf dann die Kundentoiletten benutzen? Nur noch die Männer? So werden keine Probleme zu ganz neuen und immer größeren. Das nennt man dann Fortschritt in gewissen Kreisen.

Aber es wurden auch ganz neue Wörter erfunden, "die Gästin" oder "die Bösewichtin" zum Beispiel. Ob auch "die Trottelin" neu ist oder angeblich der Umgangssprache entstammt, können wir im Nachhinein nicht mehr feststellen. Die Duden-Chefredakteurin und "Bösewichtin" Kathrin Kunkel-Razum behauptet, dass die Neuaufnahmen keinen Eingriff in den Sprachgebrauch bedeuten, sondern dass nur die Veränderung der Sprache in der Gesellschaft abgebildet werde. Das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten, denn die Gesellschaft lehnt diesen Unfug mit großer Mehrheit ab und benutzt ihn in ihrer Alltagssprache so gut wie gar nicht. Das Wort "googeln" dagegen wird durchaus allgemein genutzt und verstanden und steht seit 2004 daher zu Recht im Duden.

Bei den Öffentlich-Rechtlichen hören und lesen die erstaunten Gebührenzahler: "Jeder Themenraum wird von zwei Themenpat*innen der ARD begleitet." Was zum Teufel ist ein "Themenpat"? Der MDR fragte im Dezember 2021: "Ein 'alter weißer Mann' kommt zu Weihnachten ... Ist das noch zeitgemäß?" Statt "Morgen kommt der Weihnachtsmann" werden wir vielleicht bald gezwungen sein "Morgen kommt die Weihnachtsperson" oder "Morgen kommt die Weihnachtskraft" zu singen.

Die Politikerin der Bündnisgrünen Renate Künast weiß genau Bescheid: Es muss "Bürger*innenmeister*in" geschrieben werden. Weitere Netzfunde: "Jede*r ist seines*ihres Glückes Schmied*in". Auch die Salzburger Festspiele haben ein Problem: Ist ihr "Jedermann" noch zeitgemäss? "Nur jede/r sechste Wissenschaftler/in ist eine Frau." Bei "Zuschauer*innentribünen" kommt uns ungewollt das Wort Außentribühnen in den Sinn. "Christ*innen" wird erst durch ihre ausdrückliche Benennung klar, dass auch sie dem Christentum angehören. Und "IS-Kämpfer*innen" erscheinen gleich viel sympathischer, weil sie voll divers sind.

Muss man Kristin Rose-Möhring kennen? Sie ist in der Versenkung verschwunden, kann aber vielleicht noch zur Abschreckung dienen. Die Frau mit dem Doppelnamen hat in ihrer Zeit als Gleichstellungsbeauftragte des Bundesfamilienministeriums einen hausinternen Rundbrief anlässlich des internationalen Frauentages am 8. März 2018 geschrieben. Darin schlug sie vor, den Text der deutschen Nationalhymne geschlechterneutral umzuformulieren. Statt "Vaterland" sollte es "Heimatland" heißen und statt "brüderlich mit Herz und Hand" sollte die Formulierung "couragiert mit Herz und Hand" lauten. Das ging selbst Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier zu weit.

Welch Geistes Kind die Frau ist, konnte schon in einem Beitrag einige Jahre zuvor auf der Website des Rehm-Verlags festgestellt werden. Sie schrieb: "Schön finde ich gegenderte Wortreihen wie 'Ottilie Normalverbraucherin' oder auch 'Ottoline Shopping Queen', 'was Hänschen nicht lernt, wird Gretchen ihm schon beibringen', 'wo keine Klägerin, da keine Richterin' oder auch 'Hanna Dampf in allen Gassen' – das alles lernt sich schnell aussprechen und effektvoll einsetzen; und es lockert vermeintlich dröge Reden auf..." Tusch und Beifall!

Die Sozialdemokratin weiter: "Gerne hätte ich auch eine weibliche Formulierung für 'Tausendsassa' – ausgerechnet ein auf ein weibliches –a endendes Wort für einen Mann. Ärgerlich!" In der Tat. Sie glaubt aber: "Ein Volk, das sich an ein Kuriosum wie 'Aus-zu-bildende/r' (so was Schräges wie ein substantiviertes Adjektiv!!) gewöhnen konnte, wird auch das Gendern geliebter Männerworte überleben." Damit könnte die gute Frau sogar Recht haben.

Dankbar nehmen wir jedoch zur Kenntnis, dass nicht alles gegendert werden sollte. "Platzhirschkuh" statt "Platzhirsch" gefällt der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten nicht. Auch "Sündenziege" statt "Sündenbock" nicht. Und die "Trümmerfrau" muss nicht durch den "Trümmermann" ergänzt werden. Diese Beispiele stehen stellvertretend für zigtausend ähnliche "Problemfälle". Ganze Legionen von Sprachforschern werden auf Jahre ausgelastet sein.

Dann gibt es noch Gender-Forscherin oder -Forscher Lann Hornscheidt. Der Autorenname ist auch Antje Lann Hornscheidt. Sie favorisierte lange Zeit das Gender-x. Wir zitieren hier (aus Lustlosigkeit) Galileo.TV:

"Gendern mit x: Wird auch als x-Form oder als Gender-x bezeichnet und soll die Sprache unabhängig vom Geschlecht darstellen. Nach Möglichkeit wird bei Substantiven im Singular ein x (Aussprache: 'iks') und im Plural ein xs (Aussprache: 'ikses') an den Wortstamm gesetzt. Beispiele: Professx, Studierxs, Angestelltx, dex gutx Studierx."

Stopp! Kommando zurück! Nach der jahrelangen Selbstbezeichnung als "Profex Drex" (Prof. Dr.) verwendet Hornscheidt laut Wikipedia seit April 2021 die neue Endung -ens: "Prof.ens Dr.ens". Äh, wir stellen uns gerade ein Gedicht mit den neuen Endungen vor.

Handelt es sich um eine Form von Selbstbefriedigung? Ist das ein Drogenersatz? Wer ist dafür verantwortlich, dass man seinen Lebensunterhalt davon bestreiten kann? Mit solchen Absurditäten beschäftigen sich wohlstandsverwahloste Gruppen der Gesellschaft. Kulturrevolution light. Immer noch besser als Krieg. Aber wer weiß, ob nicht auch der ehemalige SED-Chef Honecker heute behaupten würde: "Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochsin noch Eselin auf." Der Satz musste hier noch untergebracht werden.

Links:
Unterschriftenaktion "Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden!" VDS - Verein Deutsche Sprache e. V. extern🡽 und das Onlinewörterbuch vom Duden extern🡽

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