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Stettin: Eine Spurensuche

zuletzt bearbeitet am 15.12.2025

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Aussicht von der Stettiner Jakobikirche auf die Westoder Stettin, Hafenstadt an der Westoder © 2021 KopfsplitterFoto

Stettin wurde im Laufe der Geschichte von Pommern, Polen, Schweden und Preußen regiert. Bis 1945 gehörte die frühere Hansestadt zum Deutschen Reich. Nach dem verlorenen Krieg wurde die deutsche Bevölkerung von den Polen vertrieben und die Stadt fortan Szczecin genannt. Die Stadt an der Oder und in der Nähe der Ostsee besitzt auch heute noch einen bedeutenden Hafen. Szczecin ist mit ungefähr 400.000 Einwohnern aktuell die siebtgrößte Stadt Polens.

Wir besuchten Stettin im Juli 2021 in der unseligen Corona-Zeit. Erfreulicherweise scherte sich in der polnischen Stadt niemand um irgendwelche Einschränkungen. Es gab nicht einmal Maskenpflicht.

Die Hakenterrasse am Stettiner Hafen im Jahr 1941 Hakenterrasse am Stettiner Hafen © 1941 KopfsplitterFoto

Warum Spurensuche? Ein nahes Familienmitglied war nach der militärischen Ausbildung als Funker zu einem ersten Kriegseinsatz im Juni 1941 nach Stettin beordert worden. Dort sollte er an Bord eines Transportschiffes gehen, das ihn in die finnische Hafenstadt Oulu bringen sollte. Einige Fotos, die der Soldat machen konnte, sollen hier gezeigt werden. Auf diesem Bild ist die Hakenterrasse am westlichen Ufer der Oder zu sehen.

Die Hakenterrasse am Stettiner Hafen im Jahr 2021 Hakenterrasse am Stettiner Hafen © 2021 KopfsplitterFoto

Dieses Foto habe ich aus einer ähnlichen Perspektive wie das vorherige aufgenommen, aber 80 Jahre später. Die Hakenterrasse war und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Stettin. Sie wurde nach dem Oberbürgermeister Hermann Haken benannt, der von 1878 bis 1907 amtierte. Links und rechts der Treppenaufgänge stehen zwei Säulen mit Beleuchtungskörpern. Dazwischen ist eine prächtige Springbrunnengrotte am unteren Ende der Anhöhe zu erkennen. Der Hang wird oben von einigen imposanten Amtsgebäuden und einem Grünzug gesäumt. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Oder, den Hafen und auf einen Teil der Stadt.

Das Transportschiff Westsee im Stettiner Hafen 1941 Die Westsee im Stettiner Hafen © 1941 KopfsplitterFoto

Zurück in das Jahr 1941 und zur Vorgeschichte der Zusammenarbeit Finnlands und Deutschlands. Wegen Grenzstreitigkeiten hatte die Sowjetunion am 30. November 1939 Finnland angegriffen. Die als Winterkrieg in die Geschichte eingegangene militärische Auseinandersetzung endete mit der finnischen Niederlage und dem Verlust Kareliens. In der Folge versuchte sich die finnische Regierung der deutschen anzunähern. Das führte dazu, dass Finnland in die deutschen Planungen des Unternehmens "Barbarossa", also dem Überfall auf die UdSSR, einbezogen wurde.

Das Transportschiff Westsee bei der Beladung im Stettiner Hafen 1941 Beladung der Westsee im Stettiner Hafen © 1941 KopfsplitterFoto

Im Internet finden sich Hinweise darauf, dass am 11. Juni 1941 ein Konvoi mit den 4 Frachtschiffen Marie Leonhardt, Westsee, Westplain und Karpfanger mit insgesamt 1195 Mann und 359 Fahrzeugen an Bord von Stettin aus in See stach und am nächsten Tag in Finnland eintraf.

Die beiden Transportschiffe Marie Leonhardt (links) und Westsee (rechts) am Kai im Stettiner Hafen 1941 Kai im Stettiner Hafen © 1941 KopfsplitterFoto

Auf der Rückseite des Fotos steht: "Die letzten 2 Stunden vor der Ausfahrt".

Auf dem Bild sind zwei Transportschiffe am Kai zu sehen. Der Frachter auf der linken Seite kann eindeutig als die Westsee identifiziert werden.

Deutsches Transportschiff auf der Fahrt nach Finnland im Jahr 1941 Transportschiff auf See © 1941 KopfsplitterFoto

Für die eigentlich zivilen Frachter Marie Leonhardt und Westsee war das bereits der zweite Kriegseinsatz nach dem "Unternehmen Weserübung" im April 1940. Dieser Deckname wurde für den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Norwegen und Dänemark verwendet.

Soldaten auf einem deutschen Transportschiff beim Waffenreinigen im Jahr 1941 An Bord eines der Schiffe © 1941 KopfsplitterFoto

Die nur kurze Überfahrt nach Finnland wurde für Routinearbeiten genutzt. Auf der Rückseite dieses Bildes ist zu lesen: "Juni 1941. Beim Waffenreinigen auf Schiff".

Am 22.6.1941 begann auch auf finnischem Boden und mit Unterstützung von deutschen Truppen der Angriff auf die Sowjetunion. Zunächst gelang es Finnland, die an die Sowjetunion verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Danach stockte der Angriff und ging in einen mehrjährigen Stellungskrieg über.

Auf dem Weg zum Leitungsbau im Winter 1943 im tief verschneiten Finnland "Auf dem Weg zum VB (Vorgeschobener Beobachter) zum Leitungsbau 1943" © 1941 KopfsplitterFoto

Der Stellungskrieg hatte seine Ursache auch in den langen und schneereichen Winterperioden Finnlands.

Im Juni 1944 startete die Rote Armee eine große Offensive, die mit einem Waffenstillstand endete. Finnland musste weitere Gebiete abtreten und verpflichtete sich außerdem, Krieg gegen die noch im Land befindlichen deutschen Truppen bis zu deren Abzug zu führen.

Die Hakenterrasse am Stettiner Hafen mit dem Nationalmuseum Die Hakenterrasse am Stettiner Hafen mit einer Lampe Hakenterrasse © 2021 KopfsplitterFoto

Das Gebäude oberhalb des Springbrunnens war von 1913 bis 1945 das Stadtmuseum von Stettin. Heute ist darin das Stettiner Nationalmuseum untergebracht. Auf dem zweiten Foto: Eine der zwei Säulen, die Leuchttürmen nachempfunden sind und 8 Lampen halten.

Der restaurierte Heumarkt in Stettin Wasserpumpe auf dem restaurierten Heumarkt in Stettin Heumarkt
© 2021 KopfsplitterFoto

Die Altstadt wurde nach den schweren Kriegszerstörungen nur zum Teil wieder aufgebaut bzw. restauriert. Der Heumarkt war vermutlich niemals so schön wie heute.

Der restaurierte Heumarkt in Stettin Das alte Rathaus am Heumarkt in Stettin Altes Rathaus
© 2021 KopfsplitterFoto

Nachdem das Alte Rathaus am Heumarkt im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, wurde es 1968 wiederaufgebaut.

Die ehemalige Kaiserliche Post und heutige Hauptpost in Stettin Haupthalle der ehemaligen Kaiserlichen Post und heutigen Hauptpost in Stettin © 2021 KopfsplitterFotos

Die ehemalige Kaiserliche Post und heutige Hauptpost wurde 1875 eröffnet. Sehenswert ist die Haupthalle mit Säulen und Glasdach. Das historische Gebäude befindet sich in der Nähe des Bahnhofs.

Aleja Wojska Polskiego bzw. Allee der polnischen Armee Nummer 1 in Stettin Generała Ludomiła Rayskiego Nummer 29 in Stettin

Aleja Wojska Polskiego 1 (links) und Generała Ludomiła Rayskiego 29 (rechts) © 2021 KopfsplitterFoto
Das prunkvolle Gebäude auf dem ersten Foto steht an der Allee der polnischen Armee, während der zweite Prachtbau eine besondere Geschichte hat. Unter der einstigen Adresse Kronprinzenstraße 29 wohnte hier nämlich die Familie Tucholsky. Der spätere Pazifist, Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky wurde zwar in Berlin geboren, verbrachte jedoch die Kindheit in Stettin. Erst mit neun Jahren kehrte er mit der Familie zurück nach Berlin. Heute ist die Straße nach dem polnischen Luftwaffengeneral Ludomil Rayski benannt.

Prinz-Boguslaw-X.-Straße in Stettin Prinz-Boguslaw X.-Straße © 2021 KopfsplitterFoto

Die Architektur der Gebäude in der abgebildeten Straße Ksiecia Boguslawa X in der Stettiner Neustadt erinnert stark an ähnliche Straßen in Berlin. Im ganzen Viertel wurden schöne Stadthäuser aus der Vorkriegszeit vorbildlich restauriert.

Der Zamenhofa-Platz in Stettin Zamenhofa-Platz © 2021 KopfsplitterFoto

Auch der Zamenhofa-Platz ist von prächtigen Gebäuden umrahmt. Der Platz ist nach Ludwik Lejzer Zamenhof benannt, der in dem vielsprachigen Białystok geboren wurde, aber unter seinem Pseudonym weltberühmt wurde. Schon als Jugendlicher suchte er nach einer universellen Welt-Sprache. 1887 veröffentlichte der Arzt schließlich unter dem Namen "Doktoro Esperanto" eine neue Kunstsprache, die später genau nach diesem Pseudonym benannt wurde.

Das Hafentor in Stettin Das Königstor in Stettin Hafentor (links)
Königstor (rechts)
© 2021 KopfsplitterFoto

Als Überbleibsel der festungsartigen Stadtmauer von Stettin sind diese beiden prächtigen Tore erhalten. Das Hafentor hieß ursprünglich eigentlich Berliner Tor. Im Königstor, vormals Anklamer Tor, ist heute ein Café untergebracht.

Herz-Jesu-Kirche, die ehemalige Garnisonskirche Stettins Adalbert-Garnisonkirche, die ehemalige Bugenhagenkirche in Stettin Herz-Jesu-Kirche (links)
Adalbert-Garnisonkirche (rechts)
© 2021 KopfsplitterFoto

Die ehemalige evangelische Garnisonkirche mit ihrem mächtigen Turm blieb im Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt. Zum Teil lag das wohl an ihrer Bauweise, denn sie war vollständig aus Stahlbeton errichtet worden. Gleich nach Kriegsende wurde sie jedoch von den polnischen Behörden der katholischen Kirche übereignet und erhielt den neuen Namen Herz-Jesu-Kirche. Die ebenfalls evangelische Bugenhagenkirche wurde 1945 konfisziert und übernahm nun selbst die Funktion einer Garnisonkirche, allerdings einer katholischen. Benannt wurde sie nach dem heiligen Adalbert.

Die Jakobikirche in Stettin Ein Portal der Jakobikirche in Stettin Die Jakobikirche © 2021 KopfsplitterFoto

Die ursprünglich zweitürmige Jakobikirche erhielt im 15. Jahrhundert einen Mittelturm. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Helm durch einen Bombentreffer zerstört. Erst 2007 wurde der Kirche wieder ein Turmhelm aufgesetzt.

Stettiner Schloss Stettiner Schloss © 2021 KopfsplitterFoto

Das Schloss ist eine ehemalige Residenz der Herzöge von Pommern und steht gut sichtbar mitten in Stettin. Im Laufe seiner mehrhundertjährigen Geschichte ist es unzählige Male umgebaut und ergänzt worden. Durch Bombentreffer 1944 stark zerstört, wurde es bis 1980 im Renaissance-Stil wieder aufgebaut und dient heute als Kulturzentrum.

Das Velthusen-Palais am Roßmarkt in Stettin 'Palais unter dem Globus' mit Brunnen auf dem Platz des weißen Adlers in Stettin Velthusen-Palais (links)
Palais unter dem Globus mit Brunnen (rechts)
© 2021 KopfsplitterFoto

Einer der schönsten Plätze in Stettin ist sicher der Platz des weißen Adlers, der früher als Roßmarkt bekannt war.

Neues Rathaus in Stettin Eingangsportal vom Neuen Rathaus in Stettin Neues Rathaus © 2021 KopfsplitterFoto

Das Neue Rathaus von 1879 ähnelt eher einer gewaltigen Trutzburg und erinnert mit seinem neugotischen Backsteinbaustil und seiner roten Farbe an viele andere Gebäude dieser Zeit, z. B. an das Rote Rathaus in Berlin.

Mein Fazit: Der kurze Aufenthalt in Stettin hat großen Eindruck hinterlassen. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Zentrum in all seiner Pracht wieder aufgebaut. Die wichtigsten Gebäude, aber auch die alten Mietshäuser, wurden vorbildlich restauriert. Von Berlin ist die polnische Hafenstadt in ungefähr drei Bahnstunden mit einem preiswerten Sondertarif zu erreichen. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall.


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