Inhalt Splitter Dialog Betrifft Fundgrube Unterwegs Hörbar ?? EDV Links Datenschutz Impressum Suche
Kopfsplitter
Unterwegs
Neapel: Metropole des italienischen Südens
zuletzt bearbeitet am 15.12.2025
| Vorlesen lassen: |
Aus Wikipedia (gemeinfrei): Satellitenaufnahme von Neapel (mit eingezeichneter Stadtgrenze), dem Vesuv im Südosten, den im Golf von Neapel vorgelagerten Inseln Ischia und Procida, sowie im Süden Capri und die Halbinsel von Sorrent.
Wir besuchten Neapel, Herculaneum und Sorrent im Mai 2018. Neapel (italienisch Napoli) war ursprünglich eine griechische Siedlung mit dem Namen Neapolis, was Neustadt bedeutet. Später kam sie unter römische Herrschaft. Heute ist Neapel das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Süditaliens und nach Rom und Mailand mit über 900.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Italiens. 1995 wurde ihre Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Altstadt von Neapel © 2018 KopfsplitterFoto
Vom Flughafen kann man alle 15 bis 20 Minuten mit dem Bus ins Zentrum zum Hauptbahnhof fahren. Je nach Verkehrsaufkommen sind das ebenfalls 15-20 Minuten. Wir hatten eine Unterkunft mitten in der Altstadt von Neapel gebucht, die nicht allzu weit vom Hauptbahnhof gelegen war. Nach dem Aussteigen konnten wir uns zunächst gut an der Hauptstraße orientieren, aber dann mussten wir diese verlassen und uns ins enge Gewirr der Altstadt wagen. Zusätzlich brach langsam die Dämmerung herein, so dass wir bald Hilfe benötigten. Aber wen wir auch ansprachen, die Hilfsbereitschaft war groß und immer freundlich. Insgesamt waren mindestens 6 Neapolitaner mit der Suche beschäftigt. Da wurde auch mal das Geschäft verlassen, um uns bis zur nächsten Kreuzung zu begleiten und um uns dort mit Händen und Füßen den weiteren Weg zu weisen. Irgendwann standen wir tatsächlich direkt vor der gesuchten Adresse mit dem kleinen Supermarkt.
Unsere Unterkunft © 2018 KopfsplitterFoto
Die Verständigung mit unserem freundlichen Vermieter verlief ganz leidlich mit Hilfe einer Übersetzungssoftware. Die Neapolitaner sprechen übrigens einen eigenen Dialekt, der auch für normale Italiener nur schwer zu verstehen ist.
Der Inhaber des Marktes zeigte uns dann unsere Unterkunft. Wir waren etwas schockiert, weil die Wohnung den Charme einer Kellerbehausung hatte. Sie war zwar ziemlich groß und hatte mehrere Zimmer, aber nur ein einziges Fenster zum Innenhof. Und das war auch noch vergittert. Uns überkamen leise Zweifel, ob diese Wohnung baurechtlich überhaupt zugelassen war. Quer über dem Bett war ein riesiger Fan-Schal vom SSC Neapel drapiert und zeigte überdeutlich, für welchen Fußballclub das Herz unseres Vermieters schlug.
Altstadtgasse von Neapel
© 2018 KopfsplitterFoto
Wir hatten das Altstadt-Labyrinth am Vorabend schon kennengelernt und wollten uns am nächsten Vormittag die Umgebung noch einmal in Ruhe und bei Licht anschauen. Egal, wie verwinkelt und vor allem wie eng die Gassen auch sein mochten, die auch noch gleichzeitig von Fußgängern, Radfahrern, Motorrollern und Autos benutzt wurden, die Neapolitaner fanden immer irgendeinen Anlass, das Auto zwischendurch anzuhalten, um ein Schwätzchen auf offener Straße mit einem Bekannten oder auch Unbekannten zu halten. Selten wurde von nachfolgenden Autofahrern die Hupe benutzt, die ansonsten gerne überall eingesetzt wird. In Deutschland ist sowohl das eine wie auch das andere unvorstellbar.
Altstadt von Neapel © 2018 KopfsplitterFoto
Quer über die Gassen sind tatsächlich oft Leinen gespannt, um die Wäsche zu trocknen. Es empfiehlt sich, die Augen offen zu halten, damit man aus den oberen Stockwerken keinen Dreck abbekommt, welcher durch Reinigungsaktionen auf der Straße landen könnte.
Nicht nur an den Straßenfronten, sondern auch in den Hinterhöfen, können mehr oder weniger umfangreiche Verschönerungsaktionen durch Begrünungen bestaunt werden.
Autoparken in Neapel © 2018 KopfsplitterFoto
Ein absolutes Phänomen ist das Parken von Autos. Immer wieder sahen wir PKWs, die vorne und hinten, manchmal sogar an den Seiten, vollkommen zugeparkt waren. Vielleicht waren die Fahrzeughalter miteinander bekannt und lösten mit dem Einverständnis der anderen Parkplatzsuchenden das Problem auf ihre Weise. Das schien auch kein von den Ordnungskräften zu verfolgendes Delikt zu sein, denn nie bemerkten wir entsprechende Strafzettel.
Am Hafen von Neapel © 2018 KopfsplitterFoto
Die Lebensfreude der Neapolitaner ist unübersehbar. Wo gerade Platz ist, werden gerne mal Stühle postiert, um es bei den gestenreichen Unterhaltungen bequemer zu haben. Das Kommunikationsbedürfnis ist so groß, dass sogar Handy-Gespräche bei gleichzeitiger Schleifarbeit möglich sind.
Wandbilder in Neapel © 2018 KopfsplitterFoto
Das mittlere Wandbild weist auf den Stellenwert von Kirche und Fußball in Neapel hin. Der Fußballer scheint Diego Maradona zu sein, der von 1984 bis 1991 für den SSC Neapel spielte. Die "Hand Gottes" erzielte mit dem Verein nicht für möglich gehaltene Erfolge und löste einen bis dahin nicht erlebten Fankult aus. Nach Maradonnas Tod im Jahr 2020 erhielt das Vereinsstadion ihm zu Ehren seinen Namen.
Uferpromenade mit Prachtbauten © 2018 KopfsplitterFoto
Die Uferpromenade am Yachthafen ist gesäumt von prachtvollen und mondänen Geschäftshäusern und ebensolchen Hotels.
Haupteingang von Castel Nuovo © 2018 KopfsplitterFoto
In Neapel können noch drei bedeutende Festungen besichtigt werden. Eine davon ist die mittelalterliche Burganlage Castel Nuovo am Hafen, in dem sich heute das Stadtmuseum von Neapel befindet. Die Burg wurde seit dem Baubeginn 1279 mehrfach umgebaut und renoviert. Mit den fünf zylindrischen Türmen ist das Kastell ein Wahrzeichen der Stadt. Der marmorne Triumphbogen am Haupttor wurde zum Ruhme des aragonischen Königs Alfons V. erschaffen.
Kreuzfahrtterminal © 2018 KopfsplitterFoto
Der Hafen liegt sehr zentral und ist gut erreichbar. Für Kreuzfahrtpassagiere wurde ein modernes Terminal gegenüber der Burg Castel Nuovo errichtet. Dieses beherbergt neben Abfertigungseinrichtungen auch diverse Geschäfte.
Von einer anderen Anlegestelle verkehren Schiffe zu den nahen Inseln Ischia und Capri, aber auch zu weiter entfernten Zielen im Mittelmeer wie Sardinien, Sizilien und Griechenland.
Kuppel mit Deckenfresken der Kathedrale © 2018 KopfsplitterFoto
Die Kathedrale bzw. der Dom von Neapel befindet sich in der Via Duomo in der Altstadt. Das Gotteshaus wurde im 13. und 14. Jahrhundert errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Änderungen und Ergänzungen vorgenommen. Das war schon wegen diverser Erdbeben notwendig, die der Kirche Schäden zufügten. Das Gotteshaus ist Sitz des Erzbischofs von Neapel.
Das mächtige Hauptportal
Reliquienbüste des hl. Januarius
© 2018 KopfsplitterFoto
Januarius (San Gennaro) ist der Schutzheilige von Neapel. Er wurde unter Kaiser Diokletian wegen seines Glaubens enthauptet und gilt in der römisch-katholischen Kirche als Märtyrer. Nach der Legende wurde Blut des Enthaupteten direkt nach seinem Tod in einer Ampulle aufgefangen. Im Dom wird eine rötliche Substanz aufbewahrt, die dieses Blut des Heiligen enthalten soll. An bestimmten Feiertagen dreht und wendet der Erzbischof die Ampulle mit dem getrockneten Blut, bis der Inhalt sich verflüssigt, was allerdings auch mal ausbleiben kann und was dann von den Neapolitanern als schlechtes Omen gedeutet wird. In den Jahren 2020 und 2021 verflüssigte sich die Substanz zum Beispiel nicht. Das Blutwunder des Januarius wird von der Katholischen Kirche offiziell jedoch nicht als Wunder anerkannt.
Kassettendecke der Kirche San Domenico Maggiore
Obelisk für den hl. Domenico
© 2018 KopfsplitterFoto
Die Anzahl der Gotteshäuser in Neapel ist bemerkenswert. Als eine der wichtigsten Kirchen beherbergt San Domenico Maggiore zahlreiche Grabmäler königlicher und adliger Familien. Kirche und Kloster wurden von den Ordensbrüdern der Dominikaner gegründet. Die Gebäude im maurischen Stil befinden sich auf dem gleichnamigen Platz im historischen Zentrum Neapels. Auf der Mitte der Piazza San Domenico steht ein riesiger Obelisk, der für Domenico, den Gründer des Ordens, errichtet wurde.
Kirche San Francesco di Paola © 2018 KopfsplitterFoto
Die Kirche San Francesco di Paola mit ihrer 53 m hohen Hauptkuppel ähnelt dem Pantheon in Rom. Sie steht an der Piazza del Plebiscito. Der größte Platz Neapels wurde nach der Volksabstimmung vom 21. Oktober 1860 benannt, in dem der Anschluss Neapels an das Königreich Italien beschlossen wurde.
Palazzo Reale © 2018 KopfsplitterFoto
Der Palazzo Reale, der Königspalast von Neapel, befindet sich ebenfalls am Platz der Volksabstimmung. Der Palast beherbergt ein Museum, in dem königliche Gemächer und Säle besichtigen werden können.
Einkaufspassage Galleria Umberto I © 2018 KopfsplitterFoto
Die Galleria Umberto I ist eine Einkaufspassage und wurde in den Jahren 1887 bis 1890 erbaut. Die Glasdächer bieten Schutz sowohl bei heißem Wetter als auch bei Regen.
Hinterhöfe © 2018 KopfsplitterFoto
Schuhmode in Neapel © 2018 KopfsplitterFoto
Italienische Mode ist ein Qualitäts- und Design-Begriff mit Weltgeltung.
Hinterhof (links)
Müllproblem (rechts)
© 2018 KopfsplitterFoto
Gleich um die Ecke eine andere Realität: Keine Spur von "Dolce Vita", dem berühmten süßen Leben der Italiener.
Archäologisches Nationalmuseum © 2018 KopfsplitterFoto
Das Archäologische Nationalmuseum von Neapel ist eines der bedeutendsten archäologischen Museen der Welt überhaupt und sollte daher für Liebhaber antiker Kunst auf der Besichtigungsliste ganz oben stehen. Das Museum befindet sich in einem rosafarbenen Gebäude in der Altstadt und beherbergt viele Originale aus den Grabungen in Herculaneum und Pompeji. In einem geheimen Kabinett kann eine Sammlung antiker erotischer Fresken und Gegenstände bestaunt werden, die hauptsächlich den Ausgrabungen in Pompeji entstammen.
Archäologisches Nationalmuseum: Das Alexander-Mosaik
© 2018 KopfsplitterFoto
Das berühmte Alexander-Mosaik im Archäologischen Nationalmuseum zeigt die entscheidende Szene einer Schlacht zwischen den Armeen Alexanders des Großen und des Perserkönigs Dareios III. Es wurde 1831 bei Ausgrabungen in Pompeji entdeckt. Das Mosaik ist über 18 Quadratmeter groß und enthält ungefähr eine Million kleine Steinchen.
Standseilbahn
© 2018 KopfsplitterFoto
Der Stadtteil Vomero liegt auf dem gleichnamigen Hügel. Wegen der steilen Hänge kann das ziemlich wohlhabende Viertel auch mit einer Standseilbahn erreicht werden. Dieses Verkehrsmittel wird durch ein oder mehrere Seile gezogen und nicht getragen wie Luftseilbahnen. In Neapel gibt es vier Standseilbahnen (Funicolare genannt), die auch zum öffentlichen Verkehrsnetz gehören.
Palazzi in Vomero
© 2018 KopfsplitterFoto
Dem Stadtteil Vomero sollte wegen der vielen schönen Gebäude und insbesondere wegen der tollen Aussicht unbedingt ein Besuch abgestattet werden.
Certosa di San Martino © 2018 KopfsplitterFoto
Certosa di San Martino ist ein Klosterkomplex mit Kirche auf dem Vomero-Hügel. Heute ist im ehemaligen Klostergebäude ein Museum untergebracht.
Ausblicke von Vomero auf Neapel, Golf und Vesuv © 2018 KopfsplitterFoto
Die Festung Castel Sant'Elmo liegt auf der Anhöhe von Vomero. Von hier oben hat man einen wunderschönen Panoramablick auf Neapel und den gleichnamigen Golf.
Trister Wohnblock am Mercato-Platz
© 2018 KopfsplitterFoto
Zu Neapel gehört auch Scampia - ein Problembezirk im Norden der Stadt. Wir fanden leider keine Zeit, das Viertel zu besuchen. Hauptkritikpunkt sind die Bausünden, die in Scampia begangen wurden: Riesige Wohnkomplexe inmitten von weiten, tristen Flächen und eine unzureichende Infrastruktur. Es entstanden soziale Brennpunkte mit übermäßig vielen Arbeitslosen, Schulabbrechern und kindereichen Familien. Als Folge ist organisierte Kriminalität, insbesondere Drogenhandel, ein großes Problem.
Scampia wurde international bekannt durch den Spielfilm "Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra" und die italienische Fernsehserie "Gomorrha". Beide Projekte basieren auf dem gleichnamigen Roman von Roberto Saviano und beschreiben den Einfluss der neapolitanischen Mafiaorganisation Camorra. Die Camorra ist nicht nur in Scampia, sondern in ganz Neapel und Umgebung aktiv. Wir machten allerdings keine negativen Erfahrungen. Augenfällig ist natürlich die große Armut, vor allem in der Altstadt.
Lesen Sie auch ★ Herculaneum: Vergessene Stadt der Antike und ★ Sorrent: Stadt der Meerjungfrauen
↑ nach oben ↑