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Herculaneum: Vergessene Stadt der Antike
zuletzt bearbeitet am 15.12.2025
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Im Rahmen unseres Aufenthalts 2018 in Neapel besuchten wir nicht das berühmte Pompeji, sondern das etwas näher gelegene Herculaneum. Wir fuhren mit der Bahn vom Hauptbahnhof nach Ercolano - das ist die Nachfolgestadt von Herculaneum. Dann musste noch ein Stück gelaufen werden. Der Besucherstrom hielt sich in Grenzen. Und das ist ein großer Unterschied zu Pompeji. Zusammen mit den archäologische Stätten Pompeji und Torre Annunziata ist Herculaneum seit 1997 Teil des UNESCO-Welterbes.
MapMaster, Mt Vesuvius 79 AD eruption-la, CC BY-SA 3.0 extern🡽
Herculaneum ging ebenso wie Pompeji beim Ausbruch des etwa 1280 m hohen Vesuv im Jahre 79 unter. Da der Vulkan seit ca. 500 Jahren ruhte, kam der Ausbruch völlig überraschend. Die Eruption soll in der Mittagszeit um 13 Uhr begonnen und den Gipfel weggesprengt haben. Da der Wind hauptsächlich in südöstlicher Richtung wehte, wurden zunächst Pompeji, Stabiae und Oplontis vom Ascheregen heimgesucht.
Herculaneum lag auf der anderen Seite des Vulkans in der Nähe von Neapel und war in der ersten Phase des Ausbruchs nur wenig von der Katastrophe betroffen. Den meisten Bewohnern blieb daher noch genug Zeit zur Flucht. Erst nach Mitternacht erreichte eine Art Gaswolke Herculaneum und tötete die zurückgebliebenen Menschen.
Herculaneum war zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs und der folgenden Zerstörung mit etwa 4.000 Einwohnern wesentlich kleiner als das 17 km entfernte Pompeji. Beide Orte wurden verschüttet, in Pompeji durch Asche und in Herculaneum durch Schlamm. Letzteres hatte einen besseren Erhaltungszustand von Gebäuden und Innenausstattungen zur Folge.
Herculaneum und Ercolano © 2018 KopfsplitterFoto
Auf dem oberen Drittel des Fotos ist das moderne Ercolano zu sehen. Eine mächtige Erdschicht hat sich über dem verschütteten Herculaneum aufgetürmt. Die vulkanische Schicht erreichte eine Stärke bis zu 20 m und beim Abkühlen härtete dieses Material zu dichtem Tuffstein aus. Es ist daher kein Wunder, dass die antike Stadt mit der Zeit in Vergessenheit geriet. Erst im 18. Jahrhundert begannen systematische Grabungen. Auch heute noch sind einzelne Bereiche verschüttet bzw. überbaut.
Herculaneum mit Ercolano und Vesuv im Hintergrund © 2018 KopfsplitterFoto
Die Stadt Ercolano steht an der Stelle der antiken und ehemals vom Vesuv zerstörten römischen Kommune Herculaneum. Bis 1969 hieß der Ort Resina. Gegründet wurde Herculaneum einst von den Griechen als Herakleion.
Die Ausgrabungsstätte vorne und moderne Bauten im Hintergrund
© 2018 KopfsplitterFoto
Auch dieses Bild zeigt noch einmal deutlich den räumlichen Gegensatz zwischen dem antiken Herculaneum und den darüber liegenden Bauten des modernen Ercolano.
Wandmalereien im Haus der Augustalen
© 2018 KopfsplitterFoto
Das Haus der Augustalen in Herculaneum war ein Versammlungsort von Anhängern des Kaiserkults um Augustus. Der Bau ist wegen seiner gut erhaltenen Wandmalereien eine der Attraktionen der Ausgrabungsstätte. Links sind Herkules, Minerva und Juno dargestellt, während auf dem zweiten Foto Herkules, Achelous und Deianira zu sehen sind.
Laden mit Holzgitter © 2018 KopfsplitterFoto
Eine positive Überraschung für die Archäologen ist die Tatsache, dass in Herculaneum Materialen aus Holz wie Möbel, Gitter, Leitern, Türen und Fenster manchmal nur verkohlten, aber nicht zu Asche verbrannten.
Reliefkopien der Götter Vulcanus und Hermes in Herculaneum © 2018 KopfsplitterFoto
Vulcanus war in der römischen Religion der Gott des Feuers, zudem der Schmiede sowie aller Metallhandwerker, die auf das Feuer angewiesen sind. Sein Erkennungszeichen ist ein Hammer. Mercurius war der römische Gott des Handels, des Gewerbes, des Reichtums und des Gewinns. Zu den Attributen Merkurs gehören der Hermesstab, ein geflügelter Helm und Flügelschuhe.
Mosaik im Haus des Neptun und der Amphitrite © 2018 KopfsplitterFoto
Dieses Mosaik schmückt die Ostwand eines Wohnraums und zeigt Neptun und Amphitrite. Die meisten der in Herculaneum ausgegrabenen antiken Kunstwerke wie Fresken und Skulpturen befinden sich heute nicht mehr vor Ort, sondern im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel. Dazu gehört auch eine einzigartige Bibliothek verkohlter Papyrusrollen.
Taverne in Herculaneum © 2018 KopfsplitterFoto
Die Taverne mit dem marmorverkleideten Tresen war ein Imbiss. In den Öffnungen sind große Tonkrüge eingelassen, in denen Speisen und Getränke angeboten wurden. An der Wand waren Serviergefäße untergebracht.
Thermenbereich
© 2018 KopfsplitterFoto
Der zentrale Thermenbereich lag in der Nähe des Forums von Herculaneum und war - wie bei den Römern üblich - in einen Männer- und einen Frauentrakt mit getrennten Eingängen unterteilt. Noch heute können die Umkleideräume mit den Ablagefächern für die Kleidung identifiziert werden. Außerdem waren natürlich die Kalt- und Heißwasserbecken in unterschiedlichen Räumen zugänglich. Keinesfalls durften auch die passenden Mosaikmotive fehlen.
Herculaneum mit den Bootshäusern im Vordergrund. Im Hintergrund droht im Dunst der Vesuv
© 2018 KopfsplitterFoto
Da bei den Ausgrabungen zunächst nur wenige Opfer gefunden wurden, vermuteten die Wissenschaftler, dass fast allen Einwohnern rechtzeitig die Flucht gelungen war. Erst in den 1980er Jahren stießen die Ausgräber in den Bootshäusern am Hafen überraschend auf ca. 250 Skelette.
Bootshaus mit Skeletten © 2018 KopfsplitterFoto
Vielleicht hatten die Menschen in den relativ robusten Bootshäusern Schutz gesucht. Bei der Untersuchung der Skelette wurden allerdings überdurchschnittlich viele Fehlbildungen festgestellt, die auch Alter, Behinderung oder Krankheit als Grund für das Zurückbleiben in der Stadt möglich erscheinen lassen.
Gefährlicher als der Vesuv soll das Gebiet der Phlegräischen Felder (ital. Campi Flegrei) westlich von Neapel sein. Dort gibt es mehrere Dutzend Eruptionsherde, darunter den Krater Solfatara. In der Region könnte ein Supervulkan ausbrechen, der sogar für Neapel extrem gefährlich wäre. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler bedrohliche Anzeichen von vermehrter vulkanischer Tätigkeit beobachtet.
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Eine detailreiche Website (englisch) der Ausgrabungsstätte von Herculaneum mit vielen Fotos und virtuellen Rundgängen bietet:
Herculaneum-Panorama extern🡽
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