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Von Angstmachern und Angsthasen
zuletzt bearbeitet am 21.4.2026
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Bild von AngelaL_17 auf Pixabay
"Biedermann und die Brandstifter" ist ein bekanntes Theaterstück des schweizerischen Schriftstellers Max Frisch, das 1958 uraufgeführt wurde. Es trägt den etwas unverständlichen Untertitel "Ein Lehrstück ohne Lehre". Vielleicht wollte Frisch mit dieser Bezeichnung ausdrücken, dass die Menschen unfähig sind, die richtigen Lehren bei bestimmten Problemen zu ziehen. Erste Vorentwürfe verfasste der Schriftsteller 1948 unter dem Eindruck der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei.
Zum Inhalt. Gottlieb Biedermann, ein wohlhabender Haarwasserfabrikant, liest in der Zeitung von Brandstiftungen in der Stadt und hat eine eindeutige Meinung dazu:
"Aufhängen sollte man sie. Hab ich's nicht immer gesagt? Schon wieder eine Brandstiftung. Und wieder dieselbe Geschichte, sage und schreibe: wieder so ein Hausierer, der sich im Dachboden einnistet, ein harmloser Hausierer... Aufhängen sollte man sie!"
Kurz darauf klingelt es an der Tür und das Dienstmädchen meldet einen obdachlosen Hausierer, den ehemaligen Ringer Josef Schmitz. Der umschmeichelt ihn und appelliert an Biedermanns Menschlichkeit. Da dieser gerade einem Mitarbeiter fristlos gekündigt hat, will er zum Ausgleich etwas Gutes tun und bewilligt letztendlich Schmitz den Wunsch, auf dem Dachboden zu übernachten.
Am nächsten Morgen überlässt Biedermann einen möglichen Rauswurf des Hausierers seiner Frau Babette, obwohl er ihre Ängste eigentlich nicht teilen möchte:
"Wenn man jedermann für einen Brandstifter hält, wo führt das hin? Man muss auch ein bißchen Vertrauen haben, Babette, ein bißchen Vertrauen."
Seine Frau wirft ihm dagegen vor, zu gutmütig zu sein. Nachdem Biedermann zur Arbeit gegangen ist, lässt die Hausherrin dem Schmitz ein opulentes Frühstück servieren, bevor sie ihn auf die Straße setzen will. Schmitz gelingt es jedoch, das Mitleid von Babette zu erregen und erreicht dadurch, dass er im Haus bleiben darf. Sein Kumpan Wilhelm Maria Eisenring, genannt Willi, verschafft sich zeitgleich Zutritt zum Hause, indem er behauptet, Mitarbeiter der Feuerversicherung zu sein.
Auch Eisenring nistet sich auf dem Dachboden ein. Später erläutert er dem Biedermann die wichtigsten Arten der Tarnung:
"Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität... Aber die beste und sicherste Tarnung (finde ich) ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand."
Ich verkürze die Darstellung:
Die beiden Männer lagern bald ganz offen Benzinfässer auf Biedermanns Dachboden und messen Zündschnüre ab. Der Hausherr ignoriert alle Warnsignale, entweder um als "gut" und "anständig" zu gelten oder aus Angst. Insbesondere erhofft er sich, durch Freundlichkeit und Opportunismus, vom Unglück verschont zu werden. Er scheut nicht mal die Lüge, als ihn ein Polizist nach dem Inhalt der Fässer fragt und er antwortet, dass darin Haarwasser gelagert würde. Am Ende händigt er den Brandstiftern sogar selbst die Streichhölzer aus und wird so zum Mittäter. Sein Haus und die ganze Stadt gehen in Flammen auf.
Max Frisch (1955)
Foto aus Wikipedia:
Hans Gerber, ETH-BIB-Max Frisch, Schriftsteller und Architekt, in Männedorf-Com L04-0017-0004, CC BY-SA 4.0 extern🡽
Fazit: Biedermann weiß um die Gefahr, die ihm selbst, seiner Frau, seiner Fabrik, seinem Eigentum und der Stadt durch die Brandstifter drohen. Diese versuchen, mit Schmeicheleien, Lügen, Täuschungen und Einschüchterungen ihr Ziel zu erreichen. Der "biedere Mann" hat nichts entgegenzusetzen außer Selbstbetrug und Opportunismus. Es ist sein eigenes Handeln bzw. Nichthandeln, das ihn in eine gefährliche Situation bringt und schließlich seine Existenz zerstört.
Max Frisch bietet uns keine positive Figur, keinen Handelnden, der als Vorbild dienen könnte. Selbst ein Chor, der aus Feuerwehrmännern besteht, beschränkt sich vorwiegend auf eine passiv erzählende Begleitung der Szenen. Das Stück muss ohne Helden auskommen. Das unterstreicht noch einmal die pessimistische Aussage des Untertitels: "Ein Lehrstück ohne Lehre".
Die Biedermänner in der Gesellschaft sind ebenso gefährlich wie die Brandstifter selbst. Aus Angst und Feigheit wollen sie sich von allem fernhalten, was sie persönlich in Gefahr bringen könnte. Sie ducken sich weg und versuchen, nicht (unangenehm) aufzufallen. Im Gegenteil möchten sie sich mit ihrer falsch verstandenen Toleranz den Brandstiftern andienen, um von ihnen verschont zu werden. Dieses Verhalten ermöglicht und erleichtert das Tun der Brandstifter. Sie umgarnen die potenziellen Opfer. Wenn die Brandstifter mit dieser Methode nicht zum Ziel kommen, kann auch schnell mal die Taktik geändert werden. Der Ton wird bestimmender und drohender. Selbst das Aussprechen der Wahrheit schadet ihren Absichten nicht, weil die Opfer diese nicht als Wahrheit erkennen können oder erkennen wollen. Körperliche Gewalt ist nicht notwendig.
Gott sei Dank muss es nicht so enden. In der Realität gibt es auch andere - positive - Beispiele. Eines ist die Friedliche Revolution von 1989 in der DDR. Wie in der Regel jede Revolution hat auch diese eine Vorgeschichte und beginnt ganz klein und eher unauffällig. Es sind nur wenige Menschen, die sich im Laufe der Zeit und an verschiedenen Orten gegen ein Unrechtsregime wehren. Das kann auch total unkoordiniert sein.
Ein extremer Fall ist der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz, der sich 1976 aus Protest gegen die Bildungs- und Kirchenpolitik der SED vor der Michaeliskirche in Zeitz mit Benzin übergoss und selbst anzündete. Vier Tage später erlag er seinen schweren Verletzungen. Die Reaktion der damaligen Machthaber und ihrer Helfershelfer ist ein Musterbeispiel, wie in solchen Fällen vorgegangen wird: Totschweigen, isolieren, diffamieren, einschüchtern. Ein großer Unterschied zur BRD ist übrigens nicht erkennbar, wenn man sich mal den Umgang mit Kritikern an den Maßnahmen des Staates in der Corona-Pandemie anschaut.
Montagsdemonstration in Leipzig am 23.10.1989 mit über 100.000 Teilnehmern
Foto aus Wikipedia:
Bundesarchiv, Bild 183-1989-1023-022 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-1989-1023-022, Leipzig, Montagsdemonstration, CC BY-SA 3.0 DE extern🡽
Das zarte Pflänzchen des Protestes in der DDR wuchs trotzdem. Natürlich braucht alles seine Zeit und Helden sind eher rar gesät. Es trauten sich jedoch immer mehr Menschen, Gesicht zu zeigen. Zunächst in Kirchen, zuletzt in Massendemonstrationen. Da krochen dann auch all die Opportunisten aus ihren sicheren Löchern hervor. Selbstverständlich waren sie schon immer gegen das System gewesen. Diese Biedermänner und Angsthasen haben eigentlich nichts bewirkt. Sie haben im Gegenteil mit ihrer Passivität das System lange Zeit geschützt und profitierten nun trotzdem vom Mut der einstmals Wenigen.
Ein anderes Beispiel, das allerdings negativ behaftet ist: Nach der Ausrufung des Corona-Notstands demaskierten sich die Brandstifter zuhauf und unsere "Qualitätsmedien" boten ihnen - und nur ihnen - die Bühne. Die Regierenden bemerkten ihren unerwarteten Machtzuwachs und machten reichlich Gebrauch davon. Die Biedermänner verkrochen sich wie üblich ins Private. Aber dann erlebten wir ein lange verschüttetes Phänomen. Weil die Biedermänner nicht alleine leiden wollten, wurden von ihnen jetzt alle, die sich nicht kritiklos unterordnen wollten, diffamiert, verleumdet und geächtet. In letzter Konsequenz wurde gedroht, sie quasi aus der Volksgemeinschaft auszustoßen. Zwangsläufig kamen böse Erinnerungen an die Nazidiktatur auf. Auch das DDR-Regime, welches nach dem Mauerbau gleich das ganze Volk in Geiselhaft genommen hatte, um es zur Eingliederung in die sozialistische Gesellschaft zu zwingen, diente ungewollt als Vorbild.
Der Schlagabtausch zur Corona-Maßnahmenpolitik fand letztlich zwischen den (kritiklosen) Verteidigern und den Kritikern des Staates bzw. seinen Regierenden statt. Nach Corona wurde gleich das nächste Menetekel an die Wand gemalt: Das Welt-Klima musste gerettet werden, koste es, was es wolle. Und vorwiegend natürlich in Deutschland. Andere Staaten beteiligten sich schlauerweise nur in Ansätzen oder gar nicht.
Dominik Jung erklärt uns das Wetter
Guckt Euch zum Beispiel mal den Wetterfrosch Dominik Jung an, der stündlich als "Schreibtischtäter" eine Katastrophenmeldung nach der anderen raushaut. Normales Wetter gibt es bei dem nicht. Alarmismus pur. Unterstützt mit Horrorfotos. Der ist in einigen Medien als "Wetterexperte" tätig, z. B. bei der Frankfurter Rundschau und der HNA. Hier als Beispiel der Link zum Merkur:
Dominik Jung extern🡽
Früher wusste jeder normale Bürger: "Der April, macht was er will!" und alles war gut. Der so genannte "Diplom-Meteorologe" von wetter.net macht lieber auf Panik. Einige Kostproben: "Wetter im April dreht durch: Kälteeinbruch mit Schnee – und dann fast Sommer", "Wetter-Wechsel mit Blutregen im Anmarsch", "Wärmster Tag des Jahres steht bevor: Bis zu 26 Grad möglich – danach bricht alles zusammen", "Wetter-Chaos in Deutschland", "Dürre-Wetter in Deutschland: Die aktuelle Entwicklung ist ein Warnsignal" usw. Jeder Landwirt hat mehr Ahnung vom Wetter als dieser Studiosus aus der Gruppe der Brandstifter.
An Angstmacher-Themen herrscht kein Mangel: Putin, Trump, AfD, Nazis. Überall lauern Feinde für "unsere" Demokratie. Der Meinungskorridor wurde und wird nicht nur leichtfertig, sondern ganz bewusst eingeengt. Vom Staat finanzierte Nicht-Regierungsorganisationen haben ein neues Geschäftsmodell entdeckt und lassen sich ihren Gratismut bezahlen. Es werden zwar Demonstrationen für einzelne prominente Opfer virtueller Gewalt organisiert und Unschuldsvermutungen werden neuerdings außer Kraft gesetzt, aber die täglichen realen Gewaltopfer können derlei Solidarität nicht erwarten. Die in Frage kommenden Tätergruppen sind wohl einfach nicht deutsch genug. Die Leit-Medien versagen völlig und sind vom Kritker der Regierung zum Unterstützer derselben verludert. Die Juristen machen im Zweifelsfall das, was die Obrigkeit von ihnen erwartet. Und zur Not wird der vom Innenministerium abhängige Verfassungsschutz tätig. Skrupellose Brandstifter haben Hochkonjunktur und rückgratlose Biedermänner suchen schon mal nach Streichhölzern.
Leute, passt auf Eure Dachböden und insbesondere auf Eure eigenen Oberstübchen auf!
Quellen:
Max Frisch - "Biedermann und die Brandstifter", Suhrkamp Taschenbuch 2545, Frankfurt am Main, Erste Auflage 1996
Wikipedia: Biedermann und die Brandstifter extern🡽
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